Dabei hat sich nun die Vermutung erhärtet, dass ein frühes Eingreifen spätere Schäden verhindern hilft. Den Beweis hat die so genannte Benefit-Studie erbracht: Werden MS-Patienten gleich nach einem ersten verdächtigen Schub mit Betaferon behandelt, vermindert sich das Risiko um rund die Hälfte, voll an Multipler Sklerose zu erkranken. Darüber haben Ludwig Kappos und Kollegen diesen Sommer in der Fachzeitschrift «Lancet» berichtet.
Der Professor für Neurologie an der Universität Basel und Leiter der international angelegten Benefit-Studie erläuterte nun anfangs Dezember vor den Medien die Resultate der auf fünf Jahre angelegten Untersuchung. Die Besonderheit der MS-Erkrankung ist gemäss Kappos, dass die entzündlichen Ereignisse an den Nervenfasern vor allem zu Beginn der Krankheit häufig sind, noch bevor ein «Schub» den Patienten aufschreckt. Dies kann mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRT) nachgewiesen werden. Später im Krankheitsverlauf treten solche Entzündungen nur noch selten auf – doch der Schaden ist bereits angerichtet.
Multiple Sklerose sollte also früh erkannt und behandelt werden. Nun ist es zwar nicht möglich, alle jungen Menschen in die Röhre zu stecken, um eine allfällige MS-Erkrankung bereits im Anfangsstadium aufzudecken. Hingegen sollte spätestens nach dem Auftreten verdächtiger MS-Symptome mit der Betaferon-Behandlung begonnen werden, führte Ludwig Kappos am MediApéro aus, der von Bayer Schering Pharma in Zürich organisiert worden war. Doch bedeute «vollständige Rückbildung der Symptome nicht die vollständige Wiederherstellung», relativierte Kappos die positiven Resultate der Benefit-Studie. Mit anderen Worten: Auch die Betaferon-Behandlung muss sich auf Symptombekämpfung beschränken. Doch den betroffenen MS-Patienten dürfte dies allemal helfen.
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